Über mich

Am 04. August 1958, morgens mit dem Glockenschlag sechs, kam ich in einem kleinen Dorf im Schwarzwald auf die Welt. Die Sonne stand im Zeichen des Löwen und versprach einen heißen, wolkenlosen Tag.

Für meine Generation fing eine turbulente Zeit an, es ging immer nur aufwärts und alle glaubten an eine rosige Zukunft. Ich ging brav zur Schule, obwohl ich keine Lust darauf hatte, mich von blöden Lehrern tyrannisieren zu lassen und ungerechte Noten zu bekommen. Ich fand jedenfalls, dass es oft so war. Okay, es gab auch gute und freundliche Lehrer. Allein diesen habe ich es zu verdanken, dass ich mich zu einem Studium der Germanistik und Romanistik aufraffen konnte. Nach einer gewissen Zeit machte mir das plötzlich Spaß, denn meine Lieblingsbeschäftigung war es schon immer, Bücher zu lesen. Das ist übrigens heute noch so.

Zuerst wollte ich Lehrerin werden. Im Laufe meines Berufslebens habe ich nicht nur einmal bereut, dass ich es nicht geworden bin. Zu spät. Leider hatte ich direkt nach dem Studium eine schlimme Depression, ohne zu ahnen, dass es eine war. Ich fühlte mich einfach nur mies, hässlich und zu allem zu doof. Statt wie geplant ein Referendariat zu machen, rutschte ich in meine erste Trinkphase und stellte fest, dass es ganz gut gegen diese unguten Gefühle half, mit Freunden auf der Terrasse einer Studentenkneipe in der Sonne zu sitzen und Wein zu trinken, bis die schlechte Stimmung vorüber war.

Dann half mir der Zufall und ich bekam die Möglichkeit, in einer Werbeagentur als Juniortexterin anzufangen. Leider wurde auch in diesen Kreisen gern getrunken. Doch der Job machte mir Spaß, die Kollegen waren nett und ich fand neue Freunde. Ich lernte viel über alle möglichen Produkte und darüber, wie unsere Wirtschaft funktioniert. Vieles davon gefiel mir zwar nicht. Aber ich machte ein bisschen Karriere und verdiente mit der Zeit ganz gut.

Nach zehn Jahren als Angestellte machte ich mich aus einer Laune heraus selbstständig und arbeitete von nun an freiberuflich. Das lief zunächst sehr gut. Doch bei der Arbeit als Freiberuflerin stellte sich mit der Zeit ein bestimmtes Muster heraus: Entweder hatte ich zu viel zu tun oder zu wenig. Das heißt, eine hohe Arbeitsbelastung und damit verbundener Stress wechselten sich ab mit der Sorge, wie es weitergehen sollte. Nach ein paar Jahren wurde es noch schwieriger, weil in der Werbebranche die Luft raus war. Dann saß ich zu Hause rum und hatte nichts zu tun. Wieder Existenzängste. Abends wurde es besser, denn dann genehmigte ich mir ein paar Gläser Rotwein. Leider wurden es  immer mehr. So rutschte ich ganz langsam in meine Alkoholabhängigkeit rein.

Irgendwann wurde mir klar, dass es so nicht weitergehen konnte. Ich musste einen Entzug und anschließend eine vier Monate lange Reha machen. Danach war ich zwar nüchtern und es ging mir  wieder gut. Doch in meinem alten Beruf als Texterin konnte ich nicht mehr arbeiten. Erstens wäre das für mich viel zu viel Stress gewesen, und ich wäre aller Voraussicht nach rückfällig geworden. Das konnte und wollte ich nicht. Außerdem: Wer einmal draußen ist, bekommt mit über fünfzig Jahren in der Werbung keinen Job mehr. Und auch nirgendwo sonst. Jedenfalls keinen, der halbwegs gut bezahlt ist.

Also, was tun?

Letztlich blieb mir nichts anderes übrig, als zu schreiben. Denn etwas anderes kann ich nicht. Und so entstand die Idee zu meinem Buch „Die Bestie schläft“.

Foto  © Urban Zintel