Zehn Jahre nüchtern.

3. August 2020: Mein zehnjähriges Abstinenzjubiläum.

Heute vor zehn Jahren, morgens um 9:30 Uhr, begab ich mich zum Qualifizierten Entzug in ein Hamburger Krankenhaus. „Ich bin eingefahren“, wie es im Jargon heißt. Wenn ich damals das Wort „trocken“ hörte, rollten sich mir die Fußnägel auf. Ich fand das einfach nur schrecklich. Aber mir war auch klar, dass ich mit dem Trinken aufhören musste. Mein Alkoholkonsum war völlig aus dem Ruder gelaufen. Zum Schluss war ich bei 1,5 bis 2 Flaschen Rotwein angekommen. An einem Abend. Oder ich mixte mir einen Gin Tonic nach dem nächsten. Manchmal auch ohne Tonic. Ein paar Mal schaffte ich es so, dass eine Flasche Gin, die ich um 18 Uhr geöffnet hatte, noch am selben Abend leer war. Aber ich trank ja „nur“ abends, also konnte es nicht so schlimm sein. Selbst als ich an diesem 3. August 2010 ins Krankenhaus eingefahren bin, glaubte ich noch nicht wirklich, dass ich ernsthaft eine richtige Alkoholikerin bin. Ich tat einfach mal so, als würde ich das glauben, weil ich es musste. Aber insgeheim dachte ich: Na ja, erst mal trinke ich eben eine Weile nichts, und wenn ich wieder gesund bin, werden wir sehen. Ich konnte mir überhaupt nicht vorstellen, keinen Alkohol mehr zu trinken. Das war für mich gleichbedeutend mit: „Dann gibt es für mich keinen Spaß mehr im Leben.“ 

Was sollte ich trinken, wenn ich zum Essen eingeladen war? Oder im Restaurant? Die Vorstellung, zum Essen einfach nur Wasser zu trinken, gab es für mich schlicht nicht. Und was sollte ich abends zu Hause trinken? Etwa Wasser? Saft? Cola? Ich hasse Cola. Feierabend und Rotwein waren für mich untrennbar verbunden. Genauso wie Strand und eisgekühltes Bier oder Bar und Gin Tonic. 

Während ich dies schreibe, spüre ich, wie merkwürdig mir das inzwischen vorkommt. Heute geht mir der Satz: „Ich bin trockene Alkoholikerin!“ ohne Probleme über die Lippen.

Von der Idee, ein Buch zu schreiben, war ich vor zehn Jahren noch weit entfernt. Ich hatte keine Ahnung, was in meinem Leben, sei es beruflich oder privat, auf mich zukommen würde. Hier habe ich es aufgeschrieben. Buch jetzt kaufen

Ja, manchmal fehlt mir etwas. Ein Glas edler Rotwein zu einem Teller Trüffelnudeln. Zum Geburtstag ein Glas Champagner, wer könnte dazu schon nein sagen. Ich! Zusammen mit all den anderen, die das mit dem Alkohol einfach nicht mehr im Griff haben. Nach einer Sekunde des Vermissens schaltet sich der Verstand ein und ruft ab, was passiert, wenn ich mich nicht daran halte, nüchtern zu bleiben. Vielleicht nicht von heute auf morgen, aber innerhalb einer gewissen Zeit würde wieder alles aus dem Ruder laufen. Und das will ich auf keinen Fall. Zumal es mir so gut geht wie noch nie zuvor in meinem Leben.

Es sind zwei völlig verschiedene Dinge: die Illusion, die wir von der Verschönerung des Lebens durch Alkohol haben, und die Realität, was Alkohol im Leben – und im Gehirn – tatsächlich bewirkt. Darauf eine alkoholfreie Limonade!

Übrigens: Mein Buch ist nicht nur für Leute interessant, die ein Alkoholproblem haben oder jemand kennen, der eins hat. Mir wurde gesagt, es sei sehr spannend und unterhaltsam, sogar als echte Literatur wurde es schon bezeichnet. Also viel Spaß beim Lesen.

Schmeckt genauso lecker, wie sie aussieht: alkoholfreie Limonade.





Die Beiträge auf dieser Website sind keine wissenschaftlichen Abhandlungen. Ich schreibe hier über meine persönlichen Erfahrungen, äußere meine subjektive Meinung oder gebe Informationen wieder, die im Internet frei zugänglich sind. Keiner dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt oder Therapeuten ersetzen. Bitte nimm professionelle Hilfe in Anspruch, falls du ähnliche Erfahrungen gemacht hast oder glaubst, von einer der erwähnten Erkrankungen betroffen zu sein.


Ich freue mich auf eure Kommentare! Ihr braucht keine E-Mail-Adresse anzugeben und könnt hier anonym postenBitte haltet euch an die Nettiquette und bleibt freundlich und respektvoll.




Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.