Jetzt isses raus.

Mein erstes Buch. Please support your local bookstore.

Seit einer Woche kann jeder mein Buch kaufen. Das heißt, ab sofort weiß jeder, der das Buch sieht oder liest, dass ich Alkoholikerin bin. Jetzt gibt es kein Entrinnen mehr, kein Abwiegeln, kein Drum-herum-reden, keine Ausreden, kein Vertuschen, kein Verleugnen mehr. Das wusste ich zwar vorher, aber trotzdem ist es ein seltsames Gefühl.

Ich werde oft gefragt, warum ich dieses Buch eigentlich geschrieben habe. Dafür gibt es mehrere Gründe.

Nach meiner Erkrankung im Jahr 2010 und meinen Therapien bis 2013 hatte ich keinen Job mehr. Es sah auch nicht so aus, als würde ich wieder einen bekommen. Außerdem war ich krank und konnte gar nicht arbeiten. Das Einzige, was ich konnte, war schreiben. Allerdings wollte ich nur noch schreiben, was mir Spaß macht. Am liebsten einen Roman. So fing das Ganze an.

Mit der Zeit kristallisierte sich jedoch heraus, dass ich keinen Roman, sondern meine eigene Geschichte schrieb. Wahrscheinlich musste die erst mal raus, bevor ich mir etwas Fiktives ausdenken konnte. Jetzt hatte ich plötzlich eine Mission. Ich wollte meinen Lesern, vor allem denjenigen, die selber Alkoholikerinnen sind, zeigen, dass man es schaffen kann, abstinent zu werden. Ich sage nicht, dass es ein Spaziergang ist. Aber es lohnt sich. Und das Leben ohne Alkohol macht viel mehr Spaß, als man sich das vorher vorstellen kann.

Deshalb wollte ich auf keinen Fall mit Grabesstimme über den bösen Alkohol schimpfen oder über mein verpfuschtes Leben jammern. Ich wollte auch nicht meine Geschichte herunterbeten wie in einem Schulaufsatz. Ich wollte ein unterhaltsames Buch schreiben. Ein Buch, bei dem man zwischendurch auch mal losprusten muss, selbst wenn man in der U-Bahn sitzt. Ich hoffe, das ist mir gelungen.

Trotzdem. Alkoholabhängigkeit ist eine ernste Sache. Und leider immer noch ein Tabu. Deshalb möchte ich dazu beitragen, diese Suchterkrankung zu enttabuisieren. Das ist meine zweite Botschaft: Traut euch, über eure Alkoholabhängigkeit zu sprechen. Brecht das Tabu. Sich öffentlich – oder in seinem gesamten persönlichen Umfeld – als alkoholabhängig zu outen, ist auch ein gewisser Selbstschutz. Wenn jeder weiß, dass man Alkoholikerin ist, fällt es nicht so leicht, vor aller Augen, zum Beispiel bei einer Geburtstagsfeier, eben mal zu einem Schluck Alkohol zu greifen und einen Rückfall zu bauen.

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Allerdings, und das steht auch in meinem Buch: Wenn man gerade erst realisiert hat, dass man diese chronische, und, wenn sie nicht behandelt wird, tödliche Erkrankung hat, kann man das nicht sofort hinaus posaunen. Es dauert schon eine ganze Weile, bis man das vor sich selber zugeben kann. Und noch länger, bis man soweit ist, es auch anderen zu sagen. Für mich ist es inzwischen nicht mehr schwer, denn ich bin mittlerweile seit neun Jahren trocken. Was mir aber immer noch schwer fällt, ist dieses Wort auszusprechen. Deshalb sage ich lieber: Ich bin nüchtern. Oder abstinent. Oder gleich: „Ich bin trockene Alkoholikerin.“


Die Beiträge auf dieser Website sind keine wissenschaftlichen Abhandlungen. Ich schreibe hier über meine persönlichen Erfahrungen, äußere meine subjektive Meinung oder gebe Informationen wieder, die im Internet frei zugänglich sind. Keiner dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt oder Therapeuten ersetzen. Bitte nimm professionelle Hilfe in Anspruch, falls du ähnliche Erfahrungen gemacht hast oder glaubst, von einer der erwähnten Erkrankungen betroffen zu sein.


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