Die gefährlichste Droge der Welt (1).

Zucker. Eine Droge wie Kokain, Speed und Heroin. Bild von Bruno Glätsch

Wenn man das Wort Drogen hört, denkt man in erster Linie an Kokain, Heroin oder Alkohol. Zucker hat man da eher nicht auf dem Schirm. Auf der Website der Deutschen Suchthilfe taucht Zucker nicht einmal auf, selbst nicht unter Essstörungen. Offiziell, das heißt in der Wissenschaft, gibt es den Begriff „Zuckersucht“ gar nicht. Thematisiert wird nur ein Zusammenhang zwischen Zucker und Suchtverhalten. Doch meiner Meinung nach ist Zucker die gefährlichste Droge der Welt. 

Warum kommt sie jetzt mit Zucker an? Das fragt ihr euch vielleicht. Hier geht es doch um Alkohol. Stimmt, aber da ich keinen Alkohol mehr trinke und auch nicht mehr rauche, hat sich meine Sucht verlagert. Und zwar auf Zucker. Es dauerte ziemlich lange, bis mir das klar wurde, denn was ist dagegen einzuwenden, dass man gerne Süßes isst? Doch dieses „etwas Süßes essen“ entspricht dem „einen Glas Wein“, aus dem im Laufe der Zeit zwei Flaschen werden. Genauso ist das auch bei Zucker. Und genauso wie nicht jeder alkoholabhängig wird, wird auch nicht jeder zuckersüchtig. Aber ich.

Kein anderes Suchtmittel löst weltweit so viel gesundheitsschädliches Verhalten und so viele Erkrankungen aus wie Zucker. Zucker als eine Ursache von Diabetes und extremem Übergewicht ist bekannt. Spätfolgen sind Knochen- und Gelenkprobleme wie Arthrose, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Leberschwäche, Schlafstörungen, Depressionen, Verdauungsprobleme  und vieles mehr. Auf Dauer kann Zucker sogar das Gehirn schrumpfen lassen. Denn inzwischen wird auch Diabetes Typ 3, besser bekannt unter dem Namen Alzheimer, mit Zucker in Verbindung gebracht. Das bedeutet, dass ein hoher Zuckerkonsum für fast alle Zivilisationskrankheiten mitverantwortlich ist. 

Laut Professor John Yudkin, der schon 1972 zum ersten Mal über die Gefahren von Zucker geschrieben hat, ist Zucker weltweit für 35 Millionen Todesfälle im Jahr verantwortlich. (Buchempfehlung am Ende des Artikels.) Zucker hat letztlich schlimmere Auswirkungen als Alkohol oder Nikotin und alle harten Drogen zusammen. Vor allem deshalb, weil Zucker gar nicht als Droge erkannt und eingestuft wird, denn sonst dürfte unsere Lebensmittelindustrie diese Substanz gar nicht mehr verwenden. Sondern Zucker müsste verboten sein wie Heroin. Stattdessen wird Zucker in nahezu allen industriell hergestellten Lebensmitteln zugesetzt. Von Alkohol und Zigaretten, die ebenfalls überall verfügbar sind, ist wenigstens bekannt, dass sie abhängig machen können. Doch wer macht sich schon bei einer Cola Gedanken darüber, dass sie nicht nur süchtig, sondern vor allem krank machen kann? Oder bei einem ganz normalen Frühstücksbrötchen? Jedenfalls dann, wenn industriell hergestellte Lebensmittel und Getränke regelmäßig verzehrt werden?

Wusstest du, dass sogar Brot und Brötchen fast immer zugesetzten Zucker enthalten? Ebenso wie Fertigpizza, Kartoffelchips, Tomatensauce, Fischkonserven, Essiggurken, nahezu alle Fertiggerichte und damit praktisch alle industriell hergestellten Nahrungsmittel? Image by Couleur from Pixabay

Der Grund, dass Zucker eine Droge ist, von der man so schnell – oft schon in der Kindheit – und so stark abhängig werden kann, ist genau derselbe wie bei allen anderen Drogen: Zucker wirkt auf eine bestimmte Region im Gehirn, die allgemein als „Belohnungszentrum“ bezeichnet wird. Dort befinden sich Rezeptoren, die dafür sorgen, dass Dopamin ausgeschüttet wird. Dadurch erleben wir sehr angenehme Glücksgefühle. Das wäre im Prinzip nicht schlimm, wenn es bei dem einen Mal bliebe. Doch leider setzt Zucker auch den Sättigungsreflex außer Kraft, sodass wir immer mehr davon wollen.

Nachdem wir erst einmal festgestellt haben, dass wir diese Glücksgefühle ganz bequem erreichen können, indem wir etwas Süßes essen, machen wir es immer wieder. Aber irgendwann kippt das Ganze – wir brauchen mehr und mehr davon (Toleranzentwicklung) und gleichzeitig wirkt die Droge nicht mehr so gut. Wir nehmen zu und fühlen uns nicht mehr wohl. Trotzdem brauchen wir immer mehr davon. Wenn wir plötzlich nichts Süßes mehr essen, bekommen wir Entzugserscheinungen. Haben wir dann nichts im Haus, tigern wir durch die Wohnung auf der Suche nach etwas zu naschen oder zu knabbern. Nun, in der Regel wissen wir selbst ziemlich genau, was mit uns passiert, wenn wir plötzlich auf Süßes verzichten wollen: Wir können es gar nicht. Und genau das nennt man Abhängigkeit. Wie dieser Mechanismus funktioniert, wird hier ganz gut erklärt.

Während ich diesen Artikel schrieb und im Internet zum Thema recherchierte, stellte ich fest, dass ich Gelüste auf Süßes bekam. Klar – es wird ja oft das Wort Zucker erwähnt, ebenso zahlreiche Süßigkeiten wie Schokolade, Eis oder Pralinen. Auch von Cola war oft die Rede, doch da ich das ohnehin nicht mag, hatte ich damit keine Probleme. Nur mit den Bezeichnungen von Süßigkeiten, die ich selbst sehr gern mochte und im Übermaß konsumiert habe. Allein deren Erwähnung löst bei mir Suchtdruck aus. Wäre eine Tafel Schokolade in Griffnähe gewesen, hätte ich sie sofort vernichtet. Am Stück. Aber da ich nichts Süßes im Haus hatte und außerdem Sonntag war, ging der Anfall irgendwann vorüber. Auch daran erkennt man, wie stark Zucker auf das Gehirn wirkt.

Im nächsten Artikel erfahrt ihr mehr über meine Zuckersucht und wie ich mich davon befreit habe.

In seinem Buch „Pure, white, deadly“ schrieb Professor John Yudkin schon 1972 über die Gefahren von Zucker. Doch seine Warnungen verhallten zunächst ungehört. Jahrzehnte später nahm sich wieder ein Professor aus den USA, Robert H. Lustig, des Themas Zucker an. Er brachte das Buch von John Yudkin in einer Neuausgabe heraus.

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Es ist Robert H. Lustig zu verdanken, dass die Forschungen von John Yudkin wieder für die Allgemeinheit zugänglich sind. Neuausgabe 2012/2018

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Nachdem ich mit dem Rauchen aufgehört hatte, futterte ich mir langsam, aber stetig ein Kilo nach dem anderen an. Eine typische Suchtverlagerung. Wird man bei dem einen Suchtmittel abstinent, verlagert sich die Sucht auf ein anderes. Es gelang mir einfach nicht, auf meine Süßigkeiten zu verzichten. Damals kaufte ich dieses Buch zum ersten Mal. Ich dachte jedoch, das betrifft mich gar nicht, sondern ich müsste einfach disziplinierter sein und weniger Kalorien zu mir nehmen.

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Wer verstehen will, warum Zucker immer noch verharmlost wird und unsere Lebensmittelindustrie mit Klauen und Zähnen dafür kämpft, dass das so bleibt, erfährt darüber alles von Hans-Ulrich Grimm.

Ich empfehle, Bücher im lokalen Buchhandel zu kaufen.

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