Entspann dich mal. Zum Beispiel mit Zentangle®.

Aus einfachen Strichen entstehen kleine Kunstwerke. © Beate Winkler

Viele Alkoholiker haben eins nicht gelernt: sich in ihrer Freizeit mit etwas zu beschäftigen, das ihnen Spaß macht und gleichzeitig gut tut. Klar: Tennis, Golf, Joggen, Yoga, lesen oder stricken sind unter Alkoholeinfluss eher nicht die Tätigkeiten, die Spaß machen und leicht fallen. Das einzige Hobby der meisten Alkoholiker ist Alkohol trinken. Entschließen sie sich dann, mit dem Trinken Schluss zu machen und fortan abstinent zu leben, fällt dieses Hobby weg – und es entsteht ein riesiges Loch.

In der Therapie für Suchterkrankungen gibt es deshalb die sogenannte Ergotherapie. Viele nennen es abfällig „basteln“, doch ich finde, das wird dieser Therapieform überhaupt nicht gerecht. Unter fachmännischer Anleitung lernen die Patienten, sich wieder mit den Händen zu beschäftigen und Kreativität neu zu erlernen. Das soll dazu dienen, die Selbstständigkeit nach einer schweren Erkrankung (und ja, Alkoholabhängigkeit ist eine schwere Erkrankung, auch wenn wir das von Zeit zu Zeit vergessen) zu erhalten, wieder herzustellen und zu verbessern. Damit wird auch die psychische Stabilität gestärkt, sprich: Ergotherapie ist gut für das Selbstwertgefühl.

Ob das nun Körbe flechten, an Speckstein herum feilen, Teekisten mit Servietten bekleben, Seidenmalerei, Holzarbeiten, Bilder malen, filzen oder töpfern ist – man vertieft sich vollkommen in die Tätigkeit und konzentriert sich auf sein Projekt. Man lebt im Hier und Jetzt, die Gedanken werden weniger, das Gehirn beruhigt sich und man entspannt sich. Ist man dann fertig, hat man etwas selbst Hergestelltes, also ein konkretes Ergebnis in der Hand. Das wiederum ist ein Erfolgserlebnis und macht Freude. So haben sowohl die Tätigkeit selbst als auch das Ergebnis einen positiven Effekt.

Oft hat man jedoch nicht so viele Materialien für kreative Arbeit bei sich zu Hause und hat dafür auch gar nicht den Platz. Deshalb wird aus töpfern oder Körbe flechten eben Gymnastik, stricken oder lesen. Das ist jedoch ganz unerheblich, Hauptsache man tut überhaupt irgendwas, das Spaß macht. Und nimmt sich vor allem regelmäßig die Zeit dafür.

Eine sehr schöne Tätigkeit für diesen Zweck ist Zentangle®.

Wer hat nicht schon während eines Telefonats – oder früher in der Schule, während des langweiligen Frontalunterrichts – einen Zettel mit verschiedenen Mustern vollgekritzelt? Genau das ist Zentangle®, aber mit System. Jeder kann diese einfache, entspannende Zeichentechnik ohne Vorkenntnisse in kurzer Zeit erlernen. Man braucht nicht viel dafür außer ein paar geeigneten Stiften und dem richtigen Papier. Zum Probieren kann man auch einfach alte Zettel und einen Stift nehmen, der gerade zu Hause rumliegt.

„Zentangle® ist eine leicht zu erlernende, meditative Zeichen-Methode, mit der man bei der man fast nebenbei kleine Kunstwerke kreiert“, schreibt Beate Winkler auf ihrem Blog. Beate ist  Künstlerin, Autorin, ArtCoach, Dozentin und die erste CZT (Certified Zentangle Teacher) in Deutschland. Und weiter: „Die wunderbare Zeichenmethode verbessert Konzentration und Kreativität. Deine ganze Auf­merksamkeit wird gebündelt, wird auf das Tun gerichtet, was Entspannung und innere Ausgeglichenheit bringt. Der Künstler, der in jedem von uns steckt, wird geweckt und es steigert das Selbst­vertrauen.“ Was ist das anderes als Ergotherapie?

Ich zitiere aus Beates großem Zentangle® Kreativbuch: „Zentangle wird ‚Sen-Tängel‘ ausgesprochen und ist aus den Worten Zen-Meditation und tangle ( = verwobene Muster) zusammengesetzt. Durch das Zeichnen von einfachen, sich wiederholenden Linien entstehen Strich für Strich komplexe grafische 3-D-Muster, die auf einem Tile (Kärtchen) getangelt werden.“ Du konzentrierst dich nur auf das eine, auf dieses Tangle, auf diesen Strich, auf diesen Moment. Du bist im Hier und Jetzt, was das Meditative daran ist. Das Gehirn wird langsam ruhiger, du tauchst ab, und irgendwann bist du in einem Zustand zwischen Achtsamkeit und Flow.

Ich liebe das!

Eine kleine Zentangle®-Grundausstattung – Stifte, Kärtchen und ein Anleitungsbuch – sind übrigens ein schönes Geschenk. Mal was anderes. Auch auf YouTube gibt es Anleitungen.

Zentangle® und die Zentangle-Methode® wurden 2005 von dem Ehepaar Maria Thomas, Grafik-Designerin und Kalligrafin, und Rick Roberts, einem ehemaligen Mönch, in den USA erfunden. „Zentangle“ ist eine eingetragene Marke von Zentangle Inc., USA, zentangle.com.

Alle Abbildungen mit freundlicher Genehmigung von Beate Winkler


Die Beiträge auf dieser Website sind keine wissenschaftlichen Abhandlungen. Ich schreibe hier über meine persönlichen Erfahrungen, äußere meine subjektive Meinung oder gebe Informationen wieder, die im Internet frei zugänglich sind. Keiner dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt oder Therapeuten ersetzen. Bitte nimm professionelle Hilfe in Anspruch, falls du ähnliche Erfahrungen gemacht hast oder glaubst, von einer der erwähnten Erkrankungen betroffen zu sein.


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